Samstag, 23. Juni 2007

Spiegelungen auf der Quanten-Leinwand


Von den alten Veden, die manche für 7000 Jahre alt halten, bis zu den 2000 Jahre alten Schriftrollen vom Toten Meer zieht sich das Thema durch, dass die Welt ein Spiegel von Ereignissen ist, die sich auf einer höheren Ebene zutragen. In seinem Kommentar zu den neuen Übersetzungen eines Fragments der Schriftrollen vom Toten Meer Die Lieder des Sabbbat-Opfers fasst der Übersetzer den Inhalt mit den Worten zusammen: “Was auf Erden geschieht ist nur ein blasser Abglanz einer größeren, letzten Wirklichkeit.”

Sowohl die Quantentheorie als auch die alten Texte weisen darauf hin, dass wir in den Bereichen des Unsichtbaren die Muster für unsere Beziehungen, Karrieren, Erfolge und Niederlagen der sichtbaren Welt anlegen. Aus dieser Sicht wirkt die göttliche Matrix wie eine große kosmische Leinwand, auf der wir die auf das physische Medium des Lebens projizierten nichtphysikalischen Energien unserer Gefühle und Überzeugungen (unseres Ärgers, unseres Hasses und unserer Wut, aber auch unserer Liebe, unseres Mitgefühls und Verständnisses) betrachten können.

Genauso wie eine Filmleinwand ohne jeden Vorbehalt das Bild dessen zeigt, was gefilmt wurde, scheint auch die Matrix vorbehaltlos unsere inneren Erfahrungen und Überzeugungen in die Welt zu spiegeln. In unseren Beziehungen “zeigen” wir manchmal unbewusst und manchmal bewusst unsere tiefsten Überzeugungen - von Mitgefühl bis zum Betrug.

Wir sind die Künstler und das Kunstwerk

Wir sind wie Künstler, wir bringen unsere tiefsten Leidenschaften, Ängste, Träume und Sehnsüchte auf der lebendigen Essenz einer geheimnisvollen Quanten-Leinwand zum Ausdruck. Doch im Gegensatz zu der gewöhnlichen Leinwand der Maler, die zur jeweiligen Zeit nur an einem Ort existiert, besteht unsere Leinwand aus dem gleichen Stoff, aus dem auch alles andere besteht - sie ist überall und allgegenwärtig.

Wir wollen die Analogie noch einen Schritt weiterführen. Gewöhnlich sind Künstler etwas anderes als ihr Kunstwerk. Mit Hilfe ihrer Werkzeuge erzeugen sie aus einer inneren Schöpfung ein äußeres Werk. In der göttlichen Matrix löst sich die Trennung zwischen Kunstwerk und Künstler jedoch auf: Wir sind genauso die Leinwand wie auch die Bilder, die auf ihr abgebildet sind. Wir sind die Werkzeuge und der Künstler, der sie einsetzt.

So wie ein Künstler ein Bild so lange überarbeitet, bis es mit seiner inneren Vorstellung übereinstimmt, scheinen auch wir durch den göttlichen Urgrund unser Leben zu gestalten. Die Palette unserer Überzeugungen, Vorbehalte, Emotionen und Gebete wirft uns mit verschiedenen Individuen an unterschiedlichen Orten in Beziehungen, Aufgaben und Situationen von Unterstützung und Verrat. Doch gleichzeitig kommen uns diese Menschen und Situationen oft auf unheimliche Weise bekannt vor. Sowohl individuell als auch gemeinsam leben wir in einem endlosen Kreislauf der Schöpfungen unseres Innenlebens, Augenblick um Augenblick, Tag um Tag, Jahr um Jahr. Welch herrliches, merkwürdiges, machtvolles Konzept!
So wie ein Maler in dem Bemühen, eine Idee möglichst vollkommen zum Ausdruck zu bringen, immer wieder die Leinwand bearbeitet, arbeiten auch wir immer weiter an unseren endlosen Schöpfungen.

Die Konsequenz dieser Vorstellung, von einer von uns selbst formbaren Welt umgeben zu sein, sind weitreichend und vielleicht ein wenig beängstigend. Unsere Fähigkeit, den göttlichen Urgrund absichtsvoll und schöpferisch zu nutzen, versetzt uns in die Lage, alles an unserem Verhältnis zum Universum zu ändern. Zumindest legt sie nahe, dass im Leben sehr viel mehr möglich ist, als zufällige Ereignisse und gelegentliche Synchronizitäten, aus denen wir das Beste zu machen versuchen.

Unsere Beziehung zur Quantenessenz, die uns mit allem verbindet, erinnert uns daran, dass wir selbst Schöpfer sind. Als Schöpfer können wir alles, unsere tiefsten Sehnsüchte nach Heilung, Fülle, Freude und Frieden, in allem, von unserem Körper bis zu unseren Beziehungen, bewusst zum Ausdruck bringen, zu der Zeit und in der Form, wie wir es für richtig halten.

Auszug aus dem Buch: “Im Einklang mit der göttlichen Matrix” von Gregg Braden - Koha Verlag.

Vor langer Zeit ...


An jenem späten Oktobernachmittag waren der Weisheits-Hüter und ich aus dem gleichen Grund in die Hochsteppe gegangen. Während wir uns über die Geheimnisse des Ortes austauschten, erzählte mir mein neuer Freund eine Geschichte.

“Vor langer Zeit war unsere Welt ganz anders als wir sie heutzutage betrachten”, begann er. “Es gab weniger Menschen und wir lebten näher am Boden. Die Menschen kannten die Sprache des Regens, der Feldfrüchte und des Großen Schöpfers. Sie wussten, wie man mit den Sternen und dem Himmelsvolk sprechen kann. Ihnen war bewusst, dass das Leben heilig ist und aus der Vereinigung von Mutter Erde und Vater Himmel hervorgeht. Alles war im Gleichgewicht und die Menschen waren glücklich.”
Ich spürte, wie bei dem Klang dieser Worte, die von den Sandsteinwänden widerhallten, etwas ganz Altes in mir aufstieg. Seine Stimme veränderte sich und bekam einen traurigen Klang.
“Dann geschah etwas”, fuhr er fort. “Keiner weiß so recht, warum, doch die Menschen begannen zu vergessen, wer sie sind. Durch Ihr Vergessen fingen sie an, sich getrennt zu fühlen - getrennt von der Erde, von einander und selbst von dem Einen, der sie erschaffen hat. Sie verirrten sich und wanderten ohne Richtung und Verbundenheit durchs Leben. In ihrer Getrenntheit meinten sie, für ihr Überleben in dieser Welt kämpfen zu müssen und verteidigten sich gegen jene Kräfte, die ihnen das Leben geschenkt hatten, auf das sie einst vertrauen konnten.
Nach einer Weile verwandten sie alle ihre Energie darauf, sich gegen die Welt um sie herum zu schützen, statt Frieden mit der Welt in sich selbst zu finden.”

Ich konnte mit der Geschichte des Mannes sehr viel anfangen. Es schien mir, als beschriebe er die Menschen der heutigen Zeit! Abgesehen von wenigen Ausnahmen isoliert lebender Kulturen und einzelner, traditioneller Überreste ist unsere Zivilisation ganz klar mehr auf die Welt um uns herum als auf die Welt in uns fokussiert.
Jedes Jahr geben wir Unsummen von Geld aus, um uns vor Krankheiten zu schützen und die Natur unter Kontrolle zu halten. Dabei haben wir uns vielleicht weiter denn je von einem Gleichgewicht mit der Natur entfernt. Ich hörte dem Weisheits-Hüter äußerst aufmerksam zu. Wie würde seine Geschichte wohl weitergehen?

“Sie hatten zwar vergessen, wer sie sind, aber es schlummerte noch etwas von ihren Ahnen in ihnen , eine gewisse ErInnerung - eine Ahnung.. Des nachts in ihren Träumen wussten sie, dass sie über die Kraft verfügten, ihren Körper zu heilen. Regen zu rufen, wenn er gebraucht wurde und mit den Ahnen zu sprechen. Sie wussten, dass sie irgendwie ihren Platz in der natürlichen Welt wieder finden konnten.
Während sie versuchten, sich daran zu erinnern, wer sie sind, begannen sie, außerhalb ihres Körpers Dinge zu erschaffen, die sie daran erinnern sollten, wer sie innerlich sind. Im Laufe der Zeit bauten sie sogar Maschinen, die für ihre Heilung sorgen sollten, entwickelten Chemikalien, damit die Pflanzen wachsen und verdrahteten ganze Landschaften, um über große Entfernungen hinweg zu kommunizieren. Je mehr sie sich von ihrer inneren Kraft entfernten, desto voller wurde es in ihrem äußeren Leben von lauter Dingen, von denen sie glaubten, dass sie sie glücklicher machen würden.”

Während ich ihm zuhörte, standen mir deutlich die Parallelen zu unserer heutigen Zivilisation vor Augen. Wir haben das tiefe Gefühl, unserem eigenen Leiden und dem Leiden der Welt ohnmächtig gegenüber zu stehen. Wir fühlen uns oft so hilflos, wenn einer unserer Lieben leiden muss oder auf den Krücken der Sucht und Abhängigkeit dahin hinkt. Wir meinen, keinen Einfluss auf die schreckliche Krankheiten zu haben, unter denen eigentlich kein Lebewesen leiden sollte. Uns bleibt nichts als die Hoffnung auf einen Frieden, der unsere Lieben hoffentlich unversehrt von den Schlachtfeldern dieser Erde zurückkehren lässt. Angesichts der wachsenden nuklearen Bedrohung und der Feindseligkeiten über religiöse Überzeugungen, Abstammung und Besitz fühlen wir uns als Individuen klein und unbedeutend. Offenbar werden wir umso leerer, je weiter wir uns von unserer natürlichen Beziehung zur Erde, zu unseren Körpern zu einander und zu Gott entfernen. Aus diesem Gefühl der Leere heraus, versuchen wir, uns mit “Dingen” zu erfüllen.

Wenn wir uns mehr darauf konzentrieren, Krankheiten zu vermeiden, als gesund zu leben, Kriege zu vermeiden als friedlich miteinander umzugehen und neue Waffen zu erschaffen statt Waffen überflüssig werden zu lassen, dann geht es uns nur noch ums Überleben. In solch einem Zustand ist niemand wirklich glücklich - niemand “gewinnt”.
“Wie endet die Geschichte?”, fragte ich den Weisheits-Hüter. “Haben die Menschen je wieder herausgefunden, wer sie sind?”

Inzwischen war die Sonne hinter den Canyon-Wänden verschwunden und zum ersten Mal konnte ich sein Gesicht sehen. Aus einem von der Sonne tief gebräunten Gesicht lächelte er mich an. Er wartete einen Augenblick, dann flüsterte er: “Die Geschichte ist noch nicht zu Ende. Unsere Ahnen verirrten sich und wir schreiben gerade das Ende Ihrer Geschichte. Was meinen Sie ...?”

Auszug aus dem soeben erschienenen Buch: Im Einklang mit der göttlichen Matrix” von Gregg Braden - Koha Verlag.